Impuls: Digital Literacies und Open Education

 

Ich darf bei unserem Treffen bei Bildung, öffne Dich am 14. Juni in Hannover einen Impuls geben. Während ein Großteil des Tags von sehr praktischen Einführungen in OER und Open Education geprägt sein wird, möchte ich zu Beginn ein bißchen abstrakter werden. Letztendlich geht der Impuls zurück auf einen Vortrag, den ich zufälligerweise auch in Hannover bei der Tagung “Mischen Possible” gehalten habe. Unsere Runde wird nun aber ein wenig kleiner sein und ich möchte eigentlich viel lieber diskutieren als alleine zu sprechen, daher hier nun ein kleines Intro.

Mein Kernargument ist folgendes: Öffnung von Bildung, ob auf Ebene der Materialien, der Praktiken und Zugänge ist elementar für das Verfolgen von Bildungszielen. Eins der Bildungsziele, letztendlich unabhängig davon, ob wir Bildung als einen persönlichen Prozess, als etwas technokratisches, vom Bildungssystem herbeigeführtes oder ausgelöstes, oder als Austausch und ko-kreatives zusammen wirken von Menschen begreifen, ist es, dass Menschen selbstständig in der Lage sind, an Gesellschaft, ihren Meinungsbildungsprozessen und ihrer Ausformung teilzuhaben, Gesellschaft selbst mit zu formen und das reflektiert, kritisch-analytisch und zielgerichtet zu tun.

Nun ist aber gesellschaftlicher Diskurs, oder Meinungsbildung – wie auch immer wir es nennen wollen – nichts, was losgelöst vom Digitalen Raum geschehen würde. Das ist für viele eine Binsenweisheit, sollte man meinen, die Reaktionen und Debatten der letzten Wochen, ob im Kontext von #FridaysforFuture, oder auch dem Rezo-Video und der Reaktion der Unionspolitiker*innen zeigen aber das hier doch noch das Verständnis fehlt. Das, was Felix Stalder als Kultur der Digitalität beschreibt,  also handlungsleitende, gesellschaftsformende Praktiken, die sich eben auch und insbesondere im Digitalen ausdrücken, ist für diese Gesellschaftsbildung im Digitalen vielleicht ein hilfreiches Motiv.

Meine – zumindest aus meiner Sicht nicht allzu steile – These ist, dass die Öffnung von Bildung zu einem Entstehen eben dieser Kultur der Digitalität beiträgt. Das gemeinsame Erstellen von Material, das Bereitstellen, Teilen, wieder auffindbar machen, vorhandenes zu finden und zu ergänzen, zu ändern sind Kulturpraktiken. Das alles wird noch interessanter, wenn wir nicht nur über Material sprechen, also Dokumente, Filme, Texte, sondern auch von technischen Infrastrukturen, von Einbezug gesellschaftlicher Akteur*innen sprechen, von Austausch in und zwischen Bildungskontexten, der erst durch Öffnung von Bildung auch im Digitalen Raum möglich wird.

Bei Wikimedia haben wir uns auf die Elemente von Digital Literacy von Doug Belshaw verständigt, um so gut es geht zu beschreiben, was Menschen mitbringen sollten, wenn sie da mitmachen möchten. Warum wir uns für dieses Konstrukt und nicht Medienkompetenz oder auch Medienbildung, die 4K oder auch 21st Century Skills verständigt haben, das können wir gern in Hannover besprechen. Nur so viel: eine zu eindeutige Wirtschaftsprägung wollten wir vermeiden, wir glauben auch, dass es um mehr geht als “nur” um das Handeln, wir wollten ehrlich gesagt auch erst einmal vermeiden, nur über Begriffe zu sprechen oder uns gar einem bestimmten Lager in der Medienpädagogik zuordnen, wenn es das gibt. Das mach aber auch etwas naiv sein. Hinzukommt, dass die Elemente von Digital Literacy nicht nur reine Tätigkeiten oder Kompetenzen beschreiben, sondern auch Elemente von gesellschaftlichen Motiven beschreiben, die sich so nicht 1:1 in den 4K Kreativität, Kollaboration, Kommunikation und kritisches Denken wiederfinden. Daher also die Digital Literacies, die dazu noch den Charme haben, dass sie sich schön visualisieren und besprechen lassen.

Die nicht allzu steile These ist nun, dass sich Öffnung von Bildung und Digital Literacies gegenseitig verstärken. Weiterhin ist die nächste These, dass Digital Literacies, und nicht “nur” Skills, also Fertigkeiten, nötig sind, um sich an und in Gesellschaft zu beteiligen. Damit bekommt aus meiner und unserer Sicht die Öffnung von Bildung ein weiteres Motiv als die bloße Forderung, dass alles, was öffentlich finanziert wird, auch öffentlich zugänglich sein muss – ohne dieser Forderung zu widersprechen.

Das ist also die Grundlage dessen, was ich am 14.06. diskutieren möchte. Keiner der Gedanken ist sonderlich neu, aber ich finde diese Motive für eine Öffnung von Bildung sollten wir im Hinterkopf haben, wenn wir in unseren Einrichtungen und Systemen für eine Öffnung von Bildung arbeiten.

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