Hochschulen sind längst Open-Source-Akteurinnen. Jetzt kommt der nächste Schritt.

“Never gonna give you up”, so das Motto der re:publica in diesem Jahr. Und den ganzen Tag schon summe ich den Song von Rick Astley.

Ich berate das Projekt Open Source Development Network (OSDN) seit fast 1,5 Jahren und habe für das Projekt einen Talk eingereicht, der angenommen wurde. Im Kern geht es bei unserem kurzen Talk um die Frage, ob Hochschulen Open-Source-Software wie Learning Management Systeme, Videomanagement-Software oder Software für Videokonferenzen in Studium und Lehre “nur” nutzen (was 98 Prozent der öffentlichen Hochschulen für ihre LMS tun), oder ob sie die Software auch jenseits von Plugins mitentwickeln (was bisher nur ein Bruchteil strategisch und koordiniert tut). Hier der Link zum Talk im Programm. In unserem kurzen Vortrag werden wir darüber sprechen, warum es eine gute Idee ist, dass Hochschulen sich in die Core-Entwicklung der für sie wichtigen Software-Produkte einbringen.

Das klingt nach einer technischen Detailfrage, ist aber im Grunde eine strategische. Wer Software nur nutzt und auf Pflege durch andere hofft, verlässt sich darauf, dass “die Community” oder “irgendwer” schon weitermacht. Bei Open Source funktioniert das eine ganze Weile erstaunlich gut. Bis es eben nicht mehr funktioniert. Wenn Sicherheitslücken liegen bleiben, nicht koordiniert in Barrierefreiheit investiert wird, wenn Schnittstellen veralten und abgeschaltet werden müssen, wenn niemand mehr da ist, der den Kern versteht, dann steht eine Hochschule vor der Wahl: teuer migrieren, womöglich auf ein teures Lizenzmodell oder weiter mit wachsenden technischen Schulden leben.

Das OSDN versucht, diese Logik umzudrehen. Niedersächsische Hochschulen bündeln Ressourcen, um genau dort zu investieren, wo es am nicht sonderlich sichtbar, aber am wichtigsten ist: in die Kernentwicklung von Stud.IP, ILIAS, Moodle, OpenCast, OERSI und BigBlueButton, gemeinsam mit den bestehenden Communities.

Im Talk auf der re:publica werde ich erzählen, warum das wichtig ist, wo es klemmt, und warum die spannendste Frage gerade nicht ist, wie das OSDN funktioniert, sondern was nach der Projektlaufzeit ab 2029 daraus wird. Mit dabei ist Niklas Sax von der Gesellschaft für Informatik, der eine bundesweite Studie zu genau diesen Fragen leitet.

“Never gonna give you up” trifft etwas, das die Menschen im OSDN seit Jahren beschäftigt: Hochschulen geben Open Source in Studium und Lehre nicht auf. Im Gegenteil: Sie nutzen es überall, die lautesten Fürsprecher*innen für Open Source finden sich oft in Hochschulen. Und trotzdem geben sie Open Source ein bisschen auf, jeden Tag und jedes Jahr, indem sie nicht in den Kern der Software investieren.

 

Beitragbild von Alan Stark unter CC BY-SA 2.0 via Flickr