Ausgetrockneter Zweig auf Betonplatte, im Hintergrund grüne Berglandschaft

Monatsnotiz: Dezember 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Die Monatsnotiz für Dezember ist auch eine persönliche Jahresnotiz. Nah liegt es daher, mit dem Blick auf die vergangenen Monatsnotizen zu starten: das war durchwachsen. Seit dem Start im Jahr 2019 habe ich es fast immer geschafft, mich an den namensgebenden Rhythmus zu halten. In diesem Jahr nicht.

Zu viel war los, zu wenig Fokus. Oft auch Unzufriedenheit mit dem, worum es in den Monatsnotizen eigentlich geht: dem Arbeitsleben. Ich habe meine selbstständigen Arbeiten für einen Großteil des Jahres auf das Geben von Podcast Workshops und die Podcast-Produktion für Hamburg hOERt ein HOOU beschränkt. Am WZB war ich oft unzufrieden – weniger mit der Geschwindigkeit, mit der wir weiterkommen, sondern eher mit dem Rahmen, in dem ich in der Lage bin zu arbeiten. Das häufige Hinterfragen getroffener Entscheidungen und verabredeter Strategien hat gezeigt, dass ich andere Wege der Willens- und Meinungsbildung gehen muss. Die Erkenntnis war schmerzhaft, auch weil ich das selbst nicht allein steuern kann, sondern in der Organisation ein Netzwerk und Entscheidungen brauche.

Zum Ende des Jahres dann ein versöhnlicher Ausklang mit meinem Berufs- und Arbeitsleben: in zwei Beratungs-Projekten, beide in Kooperation mit jeweils anderen Berater:innen, habe ich verschiedene Rollen angenommen und mich am Ende in beiden wohlgefühlt. Beide Projekte waren thematisch sehr unterschiedlich: einmal ging es um die digitale Transformation einer großen Uni-Klinik, ein anderes Mal ging es um Fragen der Mitarbeitendengewinnung, employer branding und Mitarbeitendenbindung.

Ausbildung: systemische Organisationsberatung

Im März begann meine Ausbildung in der systemischen Organisationsberatung bei artop. Ein großes Investment – budgetär und zeitlich. Viel gelernt und gleichzeitig immer wieder ein schlechtes Gewissen, nicht so viel lesen zu können wie eigentlich angebracht und sinnvoll. Viele Bücher gekauft und durchgeblättert, wenige gelesen. Ein Vorsatz für 2023 steht also und vielleicht findet sich ja hin und wieder ein Hinweis auf ein Buch hier in der Monatsnotiz.

Die Abfolge der Module der Ausbildung, die Gruppendynamik, die entstehenden Freundschaften und Netzwerke, das Aushandeln von Inhalten und Positionen, das Einbringen von Ideen und die verschiedenen Erwartungshaltungen von 16 Mitgliedern der fest zusammengesetzten Ausbildungsgruppe sind ein interessantes Gemisch und ein oft funktionierender mehrdimensionaler Lernraum.

WZB

Nach einer erheblichen Anfangseuphorie in der Organisation ob meiner Anstellung im Jahr 2020 hatte sich bereits 2021 eine Abkühlung eingestellt. An sich nicht überraschend, aber in dieser Amplitude hätte ich dann doch nicht damit gerechnet. Im vergangenen Jahr ist viel passiert am WZB, ebensoviel ist nicht weitergekommen.

Und doch ist etwas entstanden. Einzelne Mitarbeitende arbeiten dezentral daran, ihre Arbeitsgebiete weiterzuentwickeln. Sie profitieren unmittelbar davon, oft auch langfristig. Manche Änderung, die sich erst langfristig auswirken wird, ist auf den Weg gebracht.

Auch unaufmerksam Lesende werden feststellen, dass mir ein wenig Distanz zum WZB gut tun würde. Wie gut, dass sich diese einstellt, wenn ich ab Februar für sieben Monate in Elternzeit gehe.

Podcasting & Podcasting Workshops

Ich fasse mich hier kurz, weil Leser:innen der Monatsnotizen das eigentlich mitbekommen haben sollten: Podcast Workshops gebe ich nach wie vor sehr gern, remote und vor Ort. Der Fokus im Jahr 2022 lag klar auf Hochschulen, Büchereien und Bibliotheken und das hat Spaß gemacht.

Und auch das Podcasting ist nach wie vor eine gute Sache. Das Feierabendbier Open Education hat darunter gelitten, dass ich weniger Zeit und größere Distanz zum Themenfeld habe. Aber es soll weitergehen.

Auch Hamburg hOERt ein HOOU läuft weiter. Und hier braucht es mal wieder frischen Wind. Ein weiterer Vorsatz für 2023: Hamburg hOERt ein HOOU im Format und inhaltlich weiterentwickeln oder es ruhen lassen, auf die über 50 Episoden zurückblicken und sich darüber freuen, so lange mit interessanten Gesprächspartner:innen zu facettenreichen Themen gesprochen zu haben.

Podcasts und Podcast Empfehlungen

Im letzten Jahr hat sich nach meinem Empfinden auch die Welt des Podcastings noch weiter entwickelt und diversifiziert. Und das sowohl trotz und aufgrund der fortschreitenden Plattformisierung des Podcastings. Trotz der Plattformisierung, weil die Plattformisierung Podcasts noch stärker an ihrer Reichweite misst. Kuttner & Bauerfeind, Lanz & Precht – ein Promi, der:die einen Podcast moderiert oder einfach nur unüberlegt und selbstüberschätzend ins Mikro spricht, garantiert Hörer:innenaufmerksamkeit. Aufgrund der Plattformisierung, weil so erst tiefergehende Produktionen mit Budgets und Ressourcen möglich zu werden scheinen – zumindest in der Breite und regelmäßig.

Nur dezidierte Freizeitprojekte und Überzeugungstäter:innen mit bereits ausgebauter Hörendenschaft kommen noch gut an Spotifiy vorbei. Das Feierabendbier macht auch einen Rückzug, allerdings vor allem um die Arbeit zu reduzieren und nicht weiter die Kontrolle über den eigenen Podcast abzugeben.

In einem Gespräch zum Jahresende haben Sandro Schroeder und Holger Klein das alles besser besprochen als ich es hier könnte. Die Podcastkritik von Übermedien, die Sandro Schroeder gemeinsam mit Larissa Vassilian in ihrer Kolumne verarbeitet haben, wird nach vier Jahren eingestellt und auch das war Anlass des Gesprächs.

Damit sind wir bei meinen Podcast-Empfehlungen, gänzlich unsortiert, für dieses Jahr:

Cui Bono: Wer hat Angst vorm Drachenlord? : ein Überblick über das Drachengame und wie es dazu kam. Zum Ende hin die Erklärung, was das mit uns als Gesellschaft und dem Netz zu tun hat.

Himmelfahrtskommando – Mein Vater und das Olympia-Attentat: Recherche zum Olympia Attentat von München, in der Journalistin Patrizia Schlosser mit ihrem Vater, damals Polizist im Einsatz, recherchiert und nachlebt. Sehr nah dran und über alle Folgen hinweg packend erzählt.

Ohrensessel: Carina und Sandro Schroeder sprechen über Podcasts. Das Format findet sich nach meinem Eindruck noch, lange kam keine Folge raus. Aber die Hoffnung bleibt und alles bisher veröffentlichte war charmant vorgetragen, lehrreich und interessant.

Corporate Therapy: einer der wenigen hörbaren Business Podcasts, und das meine ich als Auszeichnung. Beratung, Soziologie und Business Alltag treffen aufeinander, oft kommt Gutes raus.

Der ganz formale Wahnsinn: Soziologe und Organisationsberater Stefan Kühl im Gespräch mit Andreas Hermwille, der Öffentlichkeitsarbeit für Metaplan macht und früher beim Campusradio war. Alltagsphänomene von Organisationen werden wunderbar seziert. Und wenn es nicht immer wieder nach Campus-Radio Moderation klänge, wäre ich noch zufriedener. Außerdem: nicht verunsichern lassen, der Podcast ist auch außerhalb von Spotify zu finden. Nur die Macher scheinen das nicht pushen zu wollen.

Denkangebot: Katharina Nocun schnappt sich ein Thema, oft auch ein:e Interviewpartner:in und geht ruhig in die Tiefe. Oft rund um Desinformation und Verschwörungserzählungen.

Female Tech Talk: “Damit ihr alle checkt, wie geil Informatik ist”, heißt es im Intro. Eigentlich ist damit und dem Titel des Podcasts alles gesagt und die Neugier hoffentlich geweckt.

Freiheit Deluxe: Bei mir hat Freiheit Deluxe erst in diesem Jahr gezündet. Der in den letzten drei Jahren so oft missbrauchte Begriff der fREiHeiT wird hier wunderbar ruhig im Diskurs und mit Humor besprochen.

quoted. der medienpodcast: Nadia Zaboura und Nils Minkmar reflektieren die Berichterstattung und ihre Rezeption im Zwei-Wochen-Rhythmus, fast immer mit einem Fokus, von dem ich erst hinterher wusste, dass er mir gefehlt hat.

Slow Burn – One Year: 1986: Ohne Slate Abo nervt die Werbung. Selten schafft es ein Podcast, sich so gut in die Szenerie einer Zeit einzufügen. Das Jahr 1986, erzählt anhand von Ereignissen des Jahres, in jeder Folge eins.

Wild Wild Web – der Pornhub Effect Eine weitere BR Produktion. In Season zwei von Wild Wild Web geht es um die Entstehung von Pornhub und die (Netz)Gesellschaft, in der Pornhub sich entwickeln konnte.

“Schwarz Rot Blut” – Podcasts – Radio – WDR: ein True Crime Podcast über rassistische Gewalt in Deutschland. Nah dran, nachdenklich, eine große Hörmepfehlung.

Musik

Ich habe sehr viel mehr Podcasts als Musik gehört. Aber zwei Empfehlungen habe ich dennoch, beide sind sehr unterschiedlich. Einmal UK Hip Hop, einmal deutsche Texte.
Little Simz – NO THANK YOU
DIE NERVEN – DIE NERVEN

Und noch eine Empfehlung für alle, die Zugang zu Apple TV haben: 1971: The Year That Music Changed Everything hat viel Material aus der Zeit, viele Interviews, viel Musik zu einer Reise in das Jahr 1971 und seine musikalischen Entwicklungen zusammengefügt.

Privates

Wirklich private Details finden sich selten hier im Blog. Aber dass ich Vater geworden bin, haben viele spätestens mit der Suche nach einer Elternzeitvertretung am WZB mitbekommen. In 2022 bin ich also Teil einer neuen Familie geworden, der eigenen. Der Nachwuchs entwickelt sich gut und macht genau das, was er soll. Und seine Eltern versuchen sich anzupassen ohne nur noch Eltern zu sein. Auch nicht so ganz einfach, aber lohnend.

Misc

Im Jahr 2022 habe ich auch eine neue Website in die Welt entlassen und bin nach wie vor recht zufrieden.

Über die letzten 12 Monate habe ich vergeblich versucht, einen Podcast zu systemischer Beratung zu finden, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Und ob ich den Podcast, den ich gern hören möchte, selbst produzieren kann, ist eine weitere Überlegung.

Header Image “trockener Zweig auf Beton” von Christian Friedrich unter CC-Zero

Monatsnotiz Oktober 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Vier Monate, keine Monatsnotiz. Die bisher längste Durststrecke in der nun seit über drei Jahren andauernden Serie der Monatsnotizen. Aber da bin ich wieder und schaue Anfang November auf den Oktober zurück:

WZB

Stop starting, start finishing. Ein alter Spruch, aber in seiner Anwendung auf meine Arbeit am WZB ist er angebracht. Zu viele Ideen, nicht immer die eigenen, habe ich angegangen. Es wird Zeit ein paar zu Ende zu bringen.

Allein schon, weil ich zunächst nur noch bis Ende Januar dort bin und dann eine Vertretung für meine Elternzeit suche. Ich selbst verschwinde für sieben Monate von der Bildfläche und freue mich über jede Weiterempfehlung des Stellenangebots.

Was ich bis Januar zu Ende bringen möchte: die Weiterentwicklung des Online-Kurses zu Nextcloud, den wir im letzten Jahr entwickelt haben. Der Kurs hilft Anwender:innen, sich Nextcloud anzueignen – auch über die Grenzen des WZB hinaus. Die letzten Hürden nehmen wir hoffentlich in den kommenden Wochen.

Davon ab: viele kleine Dinge, die ich bis Januar abschließen will.

Ausbildung: Systemische Organisationsberatung

Meine Ausbildung zum systemischen Organisationsberater bei artop ist ungefähr in der Halbzeit angekommen. Nach einem längeren Blick auf Organisationen, dann Gruppen und Teams, schauten wir im Oktober verstärkt auf Moderation.

Im Rahmen der Ausbildung ist auch ein Praxisprojekt vorgesehen: gemeinsam mit 2 Ko-Auszubildenden berate ich eine große semi-öffentliche Organisation dabei, an ihrer eigenen digitale Transformation zusammenzuarbeiten. Neue Perspektiven, manche lassen sich auch direkt auf andere Kontexte übertragen.

Podcasts

Über zwei Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal mit Juliane Bönecke und Maik Helfrich gesprochen hatte. Juliane kennt sich mit Epidemien und Public Health aus, Maik ist Profi in der Entwicklung von Comupterspielen. Zusammen mit vielen anderen haben sie ein Spiel entwickelt, in dem Du als Verwaltungsangestellter in einer Hamburger Behörde die Folgen einer Epidemie einschätzen und eindämmen sollst. Noch vor der COVID Pandemie entstanden, erklärt sich die Spiel-Idee inzwischen schon fast von selbst. Ende November kommt dann endlich das Spiel, komplett frei lizenziert und frei verfügbar, heraus. Wer den Podcast Hamburg hOERt ein HOOU abonniert, wird auch von uns erinnert, dass es nun Zeit zu spielen ist.

“Social” Media

Twitter ist in den letzten Wochen ein noch merkwürdigerer Ort gewesen. Manche zeigen sich von dem Kauf durch Elon Musk völlig unbeeindruckt und warten auf erste spürbare Änderungen bevor sie sich rühren, andere kommen in der nun dritten oder vierten Welle rüber zu Mastodon oder löschen ihre Profile einfach ohne Ersatz.

Zumindest scheint nun bei Mastodon mehr los zu sein. Ich bin hier zu finden und freue mich über neue Verknüpfungen.

Auch Xing hat länger durchgehalten als ich dachte. Lange wahrgenommen als die etwas knochige deutschsprachige Alternative zu Feelgood-Selfpromo-LinkedIn, hat es Xing nun geschafft und selbst treuere Nutzer:innen vergrault, indem die vielgenutzten Gruppen abgeschafft werden und sich zusehends mehr Schlangenöl-Vertriebsleute breitmachen, die Erfolgsversprechen in einfachen drei Schritten in Selbsterkenntnis-Seminaren am Wochenende für vierstellige Beträge vermarkten. Das Business-StudiVZ scheint also auch auf dem weiter absteigenden Ast, trotz des Rebrandings in Richtung “New Work”, noch bin ich aber auch dort zu finden. Wer sich dort oder anderswo verknüpfen mag, hier sind alle nötigen Links zu finden: https://www.christianfriedrich.org/about/

No Fear

Ich war erst skeptisch, dann aber doch im Kino um mir Igor Levit: No Fear anzusehen und kann das guten Gewissens jeder und jedem empfehlen. Mehr als die einfache Begleitung eines Pianisten, denn im Film lässt sich der Beginn der Pandemie sehr nahbar aus der Sicht des Künstlers, der zu Beginn des Jahres 2020 noch einen Haufen von Konzerten plante, nachleben. Die Heimkonzerte, der zaghafte Versuch, wieder aufzutreten, die persönlichen Eindrücke sind im Stil fast roh und unkommentiert festgehalten. Große Empfehlung, denn zumindest ich habe beiläufig auch etwas über Musik gelernt, und es dreht sich glücklicherweise auch nicht nur um die Pandemie.

Header Image “Vogel im Zoo” von Christian Friedrich unter CC0

1-2-4-all: In der Gruppe Meinungen, Fragen und Ideen sichtbar machen

Zu Beginn meiner Arbeit am WZB habe ich einen internen Blog ins Leben gerufen, in dem wir Tipps und Erfahrungen austauschen können. Es geht um Fragen digitaler und mobiler Zusammenarbeit sowie um konkrete Tipps und Tricks mit Software und Hardware. Ein eher von der Gemengelage am WZB unabhängiger Post bezieht sich auf die manchen sicher bereits bekannte Methode “1-2-4-all” aus den Liberating Structures. Hier der Post, vielleicht finden ja auch Menschen außerhalb des WZB daran gefallen. Continue reading →

Monatsnotiz Mai und Juni 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Diese Monatsnotiz hat die (un)dankbare Aufgabe, auf zwei Monate zurückzublicken.

Lernen

Lernen ist Arbeit und Arbeit ist Lernen. Etwas zu nah an einer Plattitüde als mir lieb ist, aber für die letzten Monate zutreffend. In den letzten acht Wochen habe ich gelernt und, BRD’s gonna BRD, auch Zertifikate eingesammelt. Ich bin nun

Der Reihe nach: Brandschutzhelfer*in werden ist nicht schwer. Die initiale Qualität von Branschutzhelfer*innen liegt darin, sich nicht schnell genug wegzuducken, wenn gefragt wird, wer das denn für den jeweiligen Flur / die Etage mal machen könne. Am WZB folgt daraufhin eine theoretische Schulung durch Externe (in meinem Fall: PowerPoint Karaoke in Zoom) sowie eine praktische Prüfung mit verschiedenen Feuerlöschern. Im Anschluss dann eine Gebäudebegehung, bei der auch der Treppensteiger zum Probeeinsatz kommt. Wer sich für 5-10 Minuten in teils schönen, teils schaurigen Prospektbildern und Demo-Videos verlieren möchte, möge “Treppensteiger” in die Suchmaschine des Vertrauens eingeben.

Certified Scrum Master zu werden, ist etwas aufwendiger. In meinem Fall bestand die Hauptarbeit darin, eine dreitägige Schulung bei Agile.Coach zu besuchen und im Anschluss einen Online-Test zu bestehen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, sich im Selbststudium Wissenswertes und weniger Wissenswertes zu Scrum anzueignen und dann einen etwas anspruchsvolleren Test bei scrum.org zu absolvieren. Der von mir gewählte Weg hat sich als goldrichtig herausgestellt: Guter Workshop mit der Möglichkeit, eigene Vorbehalte und Distanzen zum Thema zu überwinden, Scrum anzuwenden, zu probieren und zu besprechen. Angeleitet von einem merklich qualifizierten und angenehm zielorientiertem Trainer und in einer Gruppe, die in ihrer Zusammensetzung heterogener war als vorab befürchtet.

Ende Juni dann die Weiterbildung zu Camunda und BPMN 2.0. Um am WZB zu einer gemeinsamen Sprache für Prozessbeschreibungen zu kommen, haben wir für eine erste Gruppe von 10-12 Menschen eine interne Schulung organisiert. Auch hier: viel ausprobieren anhand eigener Prozesse, etwas Theorie und viel mehr Praxis. Das war eine gute Mischung und insbesondere das Konzept, relativ früh mit eigenen Prozessen zu arbeiten, kann ich sehr empfehlen.

Die Ausbildung in der systemischen Organisationsberatung ist weiterhin gleichermaßen fordernd und interessant:

Im Mai lag der Fokus auf dem Verstehen von Organisationen. Also nicht die Analyse von Prozesseffizienz, Kennzahlen, Rollenbeschreibungen und Führungsverständnissen. Viel mehr ging es um das Verständnis für die Textur einer Organisation, die Beobachtung von Artefakten und Verhaltensweisen ihrer Mitglieder und die möglichen Rückschlüsse auf ihre Werte und Grundannahmen. Drei vollgepackte Tage mit vielen angerissenen und andiskutierten Theorien, Übungen, Reflexion und etwas Praxis.

Im Juni dann das Augenmerk auf die Frage, wie wir Organisationen in Bewegung versetzen können. Was sich hier bei mir (hoffentlich) festsetzen wird: ein Blick auf die Ressourcen der Organisation, also auf Alles, das dazu beiträgt, dass die Organisation bis zu dem Punkt der Betrachtung ja erfolgreich Bestand hatte. Hier liegen Schlüssel, um Bewegung auszulösen und als interne*r sowie als externe*r Berater*in fällt es dennoch viel leichter, sich auf Ändernswertes zu konzentrieren.

Lehren

Im Mai und Juni hatte ich auch vielfach Gelegenheit, als Lehrender aufzutreten. An der Uni Siegen und der HAW Hamburg habe ich je einen Podcast Workshop vor Ort gegeben. In beiden Fällen mit der Hochschullehre im Blick, an der HAW noch angereichert um den Blick auf Wissenschaftskommunikation. Großer Spaß, denn in beiden Workshops war wieder einmal zu erkennen, dass Podcasts entstehen werden.

So auch in dem Online-Workshop, den ich im Auftrag des Weiterbildungszentrums der FU Berlin für Angehörige von Bibliotheken angeleitet habe. Wenn sich hier auch nur 1-2 Podcasts durchsetzen und trotz organisationaler und budgetärer Einschränkungen das Licht des RSS-Feeds entdecken, steigert das die Freude über einen ohnehin schon vielversprechenden Workshop.

In den letzten Wochen wanderte der Blick auch in das Jahr 2023 und die Programme der Weiterbildungseinrichtungen. There’s more to come.

Am WZB habe ich gemeinsam mit einer geschätzten Kollegin aus der Abteilung Kommunikation einen kurzen Online-Workshop ausprobiert.

Thema: Besser schreiben in der Verwaltung. Die Renovierung und Weiterentwicklung unseres Wissensmanagements hat die Aufmerksamkeit auch in Richtung unserer Texte und Beschreibungen gelenkt. Und das sonst recht ungelenke Thema der Reisekostenabrechnung kann, allein schon wegen seiner Verankerung im BRKG, jede Aufmöbelung gebrauchen. Das erste Feedback war gut und wir müssen nun darauf achten, dass Erlerntes nicht durch Gewohntes verdrängt wird.

Podcasts

Drei kurze Podcast-Empfehlungen habe ich.

Zuerst: Rough Translation von NPR (englischsprachig), und zwar die Sonderserie @Work, in der das Team tiefe Einblicke in die Welt der Arbeit in verschiedenen Kulturen liefert. Vom Scheitern, der Illegalität Angestellte nach Feierabend zu kontaktieren, Lunch-Kultur und Überarbeitung. Große Empfehlung!

Dann: Schwarz Rot Blut, ein Podcast von COSMO, zumindest in meinem Dunstkreis auch schon mehrfach weitergereicht und empfohlen. Nicht abschrecken lassen von dem True Crime Label, der Podcast ist trotzdem gut. Mitreißend ohne reißerisch zu erzählen, gut recherchiert zu einem Thema, das in Deutschland nach wie vor unterbelichtet ist.

Außerdem: Let’s Talk Climate Action! – hier durfte ich im Lauf des letzten Jahres bei der Konzeption und der Produktion rumschlaumeiern und mit dem Team an der Idee des Podcasts arbeiten. Der Trailer ist seit ein paar Wochen online und, wenn ich das richtig sehe (hoffentlich), holt das Team um den Podcast gerade tief Luft um dann einen gut gemachten Podcast zur Klimakrise und ihrem Verhältnis zu public health rauszuhauen.

Stolpersteine

Auf dem Gehweg vor dem Haus, in dem ich wohne, wurden im Juni Stolpersteine verlegt. In einer der Wohnungen meiner Nachbar*innen, vielleicht auch in meiner, wohnte Famile Abrahamsohn.

Fünf Stolpersteine, im Gehweg verlegt, für Mitglieder der Familie Abrahamsohn

Stolpersteine in Berlin Wilmersdorf, Holsteinische Straße

Ich habe es leider nicht geschafft, die Verlegung zu besuchen. Zu kurz vorab kam die Ankündigung. Schön aber war zu beobachten, wie sich direkt im Anschluss an die Verlegung und auch über die folgenden Tage Passant*innen, Kinder mit ihren Eltern teils recht lange von den Stolpersteinen aus dem Tritt bringen ließen, die Steine genauer studierten und sich über sie unterhielten. Zumindest hier wurde das Projektziel also erreicht. Wer einen Online-Stolperstein sucht: das Museum Auschwitz-Birkenau bzw. sein Twitter Account sind eine Folgeempfehlung, die regelmäßig Stolpersteine in meinen Twitter Feed verlegt.

 

Header Image “Unwetter” von Christian Friedrich unter CC-Zero.

Sticker "arte ultras" auf Hauswand

Monatsnotiz April 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Ich bin spät dran. Also starten wir direkt rein:

WZB

Der Start in den April war gleichzeitig das Ende eines Urlaub. Am ersten WZB Arbeitstag dann ein Termin zur Bestandsaufnahme in kleinem Kreis unter voller Ignoranz aller bis dahin eingegangenen E-Mails und Anfragen. Ein Kaltstart also, nachdem ich im Lauf des Urlaubs nicht intensiv an meine Rolle und meine Aufgaben am WZB gedacht hatte, und eine Empfehlung für alle, die ausgeschlafen und wach ihren ersten Arbeitstag nach Abwesenheit nutzen möchten.

Podcasts und Podcast Workshops

Zwei Podcasts sind im April unter meiner Mitwirkung entstanden:

Nach ihrem längeren Gespräch mit Christian Stöcker in Folge 50 von Hamburg hOERt ein HOOU über exponentielles Wachstum und für ein besseres Verständnis von eben diesem habe ich mit Nicola Wessinghage das Gespräch aus unseren jeweiligen Perspektiven in Folge 51 Revue passieren lassen. Wir haben die Nebenschauplätze aus Folge 50 genommen und sie gemeinsam ausgearbeitet. Ob das für Zuhörende hilfreich, verwirrend, interessant oder nichts von alledem war, würde mich interessieren. Feedback gern.

In Episode 52 habe ich mit Fiete Stegers über Fake News und Desinformation im Kontext der Invasion der Ukraine gesprochen. Sein HOOU Lernangebot gibt Lehrkräften und Pädagog:innen einfache Beispiele und Methoden an die Hand, um im Bildungskontexten Desinformation in Social Media zu identifizieren und zu besprechen.

Ein Podcast Workshop hat im März begonnen und im April sein Ende gefunden, ein anderer begann im April und hat im Mai geendet. Teilnehmer:innen aus öffentlichen Bibliotheken haben beim ZBIW der TH Köln an ihren Podcast-Ideen gearbeitet, Grundlagen erlernt und ich wäre überrascht, wenn nicht in 3-4 Monaten neue Podcasts entstanden sein werden. Wie auch in den letzten Workshops mit Teilnehmer:innen aus Bibliotheken und Büchereien war ich beeindruckt von der “Ich mache das jetzt einfach mal” Mentalität der Teilnehmenden. Das Klischee der unbeweglichen, langsamen öffentlichen Einrichtung auf dem Land, die eine Heimat für ebenso unbewegliche Angestellte bietet, sprengen die Teilnehmenden der Podcast Workshops regelmäßig. Gut so.

Ein weiterer Workshop rund um Podcasts in der Hochschule startete im April an der Uni Jena und endete (eigentlich nach Monatsfrist, aber vor Veröffentlichung dieser Monatsnotiz) im Mai. Und auch hier: Themenideen wie gemacht für Podcasts. Gespräche mit krebskranken Patient:innen, die Medizin-Studierenden neue Perspektiven sowie Einblicke und Empathie mit Betroffenen ermöglichen sollen; Interviews mit Lehrkräften aus Thüringen, die sich zu Themen rund um digitale Formate in der Schule vernetzen können; Interviews mit Mathematik-Forscher:innen, die Studierenden die Angst vor dem Finden der ‘richtigen’ Forschungsfrage nehmen und neugierige Blicke auf Forschungsfelder der Mathematik ermöglichen sollen; ein Interview-Podcast für Migrantinnen, der durch Interviews mit Migrantinnen Perspektiven auf die Einwanderung nach Deutschland ermöglichen soll.

Die Workshops zu Podcasts sind inzwischen fast inspirierender als die Podcasts selbst.

Ausbildung

Meine Ausbildung in der systemischen Organisationsberatung ist im April weiter in Tritt gekommen, wenn ich auch noch nach dem ‘richtigen’ Modus suche, um das eigene Lernen zu unterstützen. Die Module finden in Abständen von 4-6 Wochen vor Ort statt, zwischendrin Peer Groups und Projektarbeit. Größte Herausforderungen bisher ist es, Zeit zu finden, in der ich wach und aufmerksam genug bin, um konzentriert Texte zu lesen. Also übliche Probleme und Tipps mit ihnen umzugehen sind jederzeit willkommen.

Misc

Ich habe den Newsletter von Laura Hilliger für mich wiederentdeckt. Ich abonniere ihn seit einiger Zeit und der Humor, das offene Selbstzweifeln, die klugen Gedanken und unterhaltsamen Links sind eine solide Mischung für einen guten Start in ein Wochenende.

Neue Folgen kommen wohl bald, bis dahin tut es vielleicht das Archiv: Der ganz formale Wahnsinn führt in Themen und Kontroversen rund um Organisationen und Zusammenarbeit ein und mir gefällt die Mischung aus Academia, Praxis und angedeuteter Polemik.

Header Image: arte ultras, Christian Friedrich lizenziert unter CC Zero

Monatsnotiz März 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Die Häfte des März 2022 habe ich im Urlaub von meiner Arbeit am WZB verbracht, teils im Erholguns- und teils im Bildungsurlaub. Aber es gibt auch anderes zu berichten:

Podcasting

Für Hamburg hOERt ein HOOU habe ich mit René Danz und Jennifer Pohlmann besprochen, wie Bildung, Open Educational Resources und Nachhaltigkeit zusammenhängen in ihrer Arbeit zusammenhängen.

Das Feierabendbier Open Education hat mal wieder Aufmerksamkeit von Markus Deimann und mir bekommen. Anlass war das Buch “Träge Transformation” von Sascha Friesike und Johanna Sprondel, für das ich hier eine dicke Leseempfehlung aussprechen möchte. Wir besprechen das Buch Kapitel für Kapitel. Die Folge ist hier und überall, wo es Podcasts gibt, zu finden. Feedback und Anregungen sind sehr willkommen, Weiterempfehlungen ebenso.

Ich war auch mal wieder in einem Podcast zu Gast: Elisabeth Barkov hat ihre Masterarbeit dem Thema Podcasts in der Hochschulbildung gewidmet und im Zuge ihrer Thesis auch einen eigenen Podcast produziert, hier zu finden. In “Educasting – Podcasts in der Hochschulbildung” spricht sie mit Gäst:innen über ihre Haltungen und Erfahrungen zum Thema Podcasts, auch in der Verknüpfung mit Hochschule und Hochschullehre. Besonders empfehlen kann ich ihr Gespräch mit Ronny Röwert, der Podcasts als Medium für Lehre und Lernen sehr schön einordnet.

Podcastempfehlungen und eine Leseempfehlung

Schon zum zweiten Mal in Folge in meinem Empfehlungen ist 99% Invisible zu finden: in “The Future of the Final Mile” wird das in Deutschland nicht unbekannte Problem der unzureichenden Internetanbindung, insb. auf der letzten Meile, beschrieben. Natürlich geht es auch um kreative Designs, um dem Problem der schlechten Anbindung zu begegnen, nicht ohne Fragen der Benachteiligung ohnehin schon benachteiligter Gruppen auszulassen.

Eine zweite Empehlung: der Podcast Denkangebot von Katharina Nocun. Gleich zwei Folgen kamen im März im Podcatcher an und insbesondere das Gespräch mit Josef Holnburger über Verschwörungsglaube, Corona-Leugnung und Putin-Verehrung ist sehr hilfreich als Raster, um aktuelle Lagen und Situationen einzuordnen und zu bewerten. Die Folge zu Faktenchecks mit Uschi Jonas liefert in Ergänzung viel praktischere Einblicke in die Arbeit gegen Desinformation.

Radiolab hat mit der Folge “The Right Stuff” Argumente für behinderte Menschen als Astronaut:innen gesammelt, mit Forschenden zum Thema gesprochen und sie bei Praxisversuchen begleitet. Hörenswert für alle, die sich mit Fragen des Designs von Umwelt und ihrer Zugänglichkeit befassen.

Geschichten aus der Geschichte ist es mit der letzten Folge “Tauben, die Raketen steuern und Kybernetik” gelungen, Einblicke in die Kybernetik, den Behaviorismus, krude Militärtechnik und das Aussterben der Wandertaube zu liefern. Insbesondere denen, die sich für B.F. Skinners Geschichte und seinen Impact auf (digitalisierte) Bildung interessieren, sei hier dann auch gleich Audrey Watters’ Buch Teaching Machines dringend empfohlen.

Die Leseempfehlung: The future of work: the problem with millennial productivity books ist eine schöne Einordung der Literatur zu Selbstoptimisierung, Produktivitätssteigerung und ihrer Grenzen. Im Ganzen lesenswert.

Ausbildung: Systemische Organisationsberatung

Im März habe ich nun endlich auch die schon lange geplante Ausbildung in der systemischen Organisationsberatung beginnen können. Der Auftakt bestand in einem ausführlichen Kennenlernen der Gruppe von Teilnehmenden, die gemeinsam die nächsten 15 Module bis Sommer 2023 durchlaufen werden. Grundlagen der Systemtheorie, erste Erfahrungen in Beratungsgesprächen und eine gute Stimmung, getragen von guter Laune bei gleichzeitiger Ernsthaftigkeit und gegenseitigem Vertrauen machen Lust auf die kommenden Monate und Module.

Learnings bisher: ein System ist immer in seinem bestmöglichen Zustand. Und die Unterscheidung zwischen Beratungs-, Klienten- und Beratersystem ist zwingend.

 

Header Image: Cretto di Burri, Christian Friedrich, lizenziert unter CC Zero, aufgenommen in Cretto di Burri

 

 

Monatsnotiz Februar 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Diese Monatsnotiz fällt schwer. Noch vor vier Wochen haben wenige die Bedrohung eines Überfalls von Russland in der Ukraine ernstgenommen. Manche Reaktionen machen Mut, die Hilfsbereitschaft und Anteilnahme, die demostrierte Geschlossenheit. Andere Reaktionen schrecken ab: die Unterscheidung flüchtender Menschen in “gute” und “schlechte” Geflüchtete. Dass über Nacht 100.000.000.000 Euro für die Bundeswehr gefunden werden, aber um 1,5 Milliarden für Pflegekräfte über ein Jahr lang gestritten werden musste. Während Hartz 4 weiterhin Leben in Armut bedeutet. Was wichtig ist, zeigt sich in der Krise. Orientierung gegeben hat mir diese Liste von Mischa Gabowitsch mit Dingen, die man tun kann.

Podcasting

Genau eine Aufzeichnung stand in diesem Monat an: im Rahmen der Projektwoche Nachhaltigkeit der HAW Hamburg habe ich mit Jennifer Pohlmann und René Danz über die Zusammenhänge von Open Educational Resources, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeit gesprochen. Anfang März im Podcast zu finden und Feedback interessiert mich sehr.

Eine Zeit lang habe ich mehr oder weniger systematisch im Blog beschrieben, welche Podcasts ich selbst höre – mal in den Monatsnotizen, mal als einzelner Blog Post. In diesem Monat haben unter anderem diese Podcast Episoden einen Eindruck hinterlassen:

Chaosradio (CR275): Digitale Barrierefreiheit

Begriffe wie Barrierefreiheit oder Barrierearmut fallen regelmäßig, wenn es um das Design von Websites oder Apps geht. Seltener nehmen sich nach meiner Erfahrung die Beteiligten die Zeit, Barrierefreiheit by design mitzudenken, ähnlich verhält es sich bei Entscheidungen im Bezug von Software. Warum Barrierefreiheit wichtig ist und mit mehr Elan verfolgt werden kann und sollte, rollt diese Folge des Chaosradio schön aus. Eine Hörempfehlung für alle, die einen Zugang zum Thema suchen.

https://chaosradio.de/275-digitale-barrierefreiheit

99% Invisible: Reaction Offices and the Future of Work

Erzählungen von New Work oder der Zukunft der Arbeit erwecken oft den Eindruck, man habe sich vor dem einen TED Talk, Podcast oder Vortrag nie wirklich Gedanken über die Bedingungen von Büro- und Wissensarbeit gemacht. Dass Architektur und Gestaltung von Büros und Arbeitsplätzen die Art der Zusammenarbeit und Kommunikation beeinflussen und oft auch vorgeben, ist nicht neu und diese Episode setzt viele Ideen der Bürogestaltung aus Vergangenheit in Beziehung zueinander. Und, wie immer bei 99% Invisible, mit einer wunderbar illustrierenden Website.

https://99percentinvisible.org/episode/reaction-offices-and-the-future-of-work/

Meet the Education Researcher: Automated surveillance in education (Chris Gilliard)

Wer die Arbeit von Chris Gilliard zu Überwachung mit Technologie in Bildungskontexten schon kennt, wird in diesem Gespräch nicht viel neues finden. Wer sie noch nicht kennt, findet in seinem Gespräch mit Neil Selwyn sicher verfolgenswerte Gedankenanstöße.

https://soundcloud.com/eetheducationesearcher/automated-surveillance-in-education-chris-gilliard

Golineh Atai – Die Ukraine und der Urknall des Postfaktischen

Dieser Podcast ist noch vor der russischen Invasion in der Ukraine auf dieser Liste gelandet. Jagoda Marinic spricht mit Golineh Atai über ihre Arbeit als Auslandskorrespondentin, auch mit Blick auf ihren Umgang als Journalistin mit strategischer Desinformation. Ich habe viel mitgenommen.

https://www.hr2.de/podcasts/freiheit_deluxe/golineh-atai–die-ukraine-und-der-urknall-des-postfaktischen,podcast-episode-98464.html

Neue eigene Website

Nach langem Hin und Her und mit Unterstützung habe ich im Februar meine neue Website an den Start gebracht. Ein Re-Design war lange nötig: In den letzten Jahren hat sich viel verändert, auch in meinem beruflichen Portfolio, und die bisherige Struktur passte da nicht mehr so ganz. Nun habe ich also mit blog.christianfriedrich.org einen Ort für die Blogbeiträge und mit christianfriedrich.org eine neue Heimat für den ganzen Rest. Feedback, Hinweise auf Typos und zerstörte Links jederzeit gern.

 

Header Image: Darß 2022, Christian Friedrich, CC Zero

Monatsnotiz Januar 2022

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Podcasts und Podcast Workshops

Eine neue Folge Hamburg hOERt ein HOOU hat ihren Weg zu ihren Zuhörer:innen gefunden: Andrea Schlotfeldt, Julia Zwick und Phuong Nguyen haben über das Projekt OER FAQ gesprochen. Was freie Bildungsmaterialien sind, was bei ihrer Ausarbeitung und Verwendung zu beachten ist und weshalb OER überhaupt wichtig sind, haben Sie auf der Projektwebsite beantwortet.

Die Vorbereitungen für eine #afterwOERk Live Podcast-Aufzeichnung im Februar laufen und weil ich mal wieder mit der Monatsnotiz spät dran bin, kann ich hier auch gleich darauf hinweisen:

Wer am 24.02. um 17 Uhr Lust hat, bei einem Live Podcast zum Thema Freie Bildungsmaterialien und Nachhaltigkeit dabei zu sein, hier entlang. Die Zoom Details sind direkt im Programm zu finden.

Einen Podcasting Workshop habe ich für Mitarbeitende in öffentlichen Bibliotheken angeboten. Zwei Termine mit gut drei Stunden plus Freiraum, in den Tagen zwischen den beiden Terminen eigene Podastkonzepte zu entwickeln und diese im zweiten Termin zu besprechen, Feedback einzusammeln und weiterzumachen. Ich bin fast sicher, dass 2-3 Podcasts daraus entstehen werden, das macht Laune.

Im März folgen zwei weitere Podcast Workshops, in einem der beiden sind noch Plätze frei.

WZB

Meine Arbeitszeit am WZB habe ich mit Beginn des Jahres auf 80 Prozent reduziert. Nicht, weil dort wenig zu tun wäre, sondern weil ich ab März eine intensivere Ausbildung antrete, die die verbleibenden 20 Prozent sehr gut füllen wird. Mehr dazu im März.

Davon abgesehen: viel Dokumentenmanagement und damit auch viel Arbeit an Prozessen, Abstimmung und Überlegung, wie wir in den nicht-wissenschaftlichen Bereichen am WZB arbeiten möchten. Parallel bereiten wir ein neues Format vor, dass es einfacher macht, sich Zeit zum Lernen und Ausprobieren zu nehmen. Sobald es so weit ist, hier mehr dazu.

 

Das war es auch schon. Ein langer Monat, in dem Corona-und Jahreszeit-bedingt nicht viel berichtenswertes geschehen ist. Das wird sich im Lauf des Jahres mit Sicherheit ändern.

Beitragsbild von Christopher Michel creator QS:P170,Q5112871, Penguin in Antarctica jumping out of the water, CC BY 2.0

Monatsnotiz Dezember 2021

Die Monatsnotiz für Dezember ist eine Jahresnotiz geworden. Die regelmäßigen Rückblicke zum Monatsende haben in diesem Jahr noch besser geholfen zurückzublicken und Struktur zu geben, vermutlich auch weil Zeiträume des letzten Jahres verwischen und miteinander verschwimmen.

In dieser Notiz habe ich nun versucht, Bleibendes aus den Monaten festzuhalten. Das Lesen kann sich für Menschen, die nicht ich sind, als mühsam herausstellen. Umso größer der Dank für Feedback, Nachfragen oder das Teilen eigener Erfahrungen zu den angesprochenen Themen. Continue reading →

Owl, watching in the dark

Monatsnotiz November 2021

Monatsnotiz (Substantiv, feminin): eine kurze monatliche Zusammenfassung der Dinge, an denen ich arbeite.

Die letzten Monatsnotizen sind mir schwergefallen. Nicht, weil ich ungern auf den Monat zurückblicke, sortiere und aufräume. Das ist nach wie vor, auch nach nun fast drei Jahren, ein liebgewonnenes Ritual. Es kann daran liegen, dass mir die Nachrichten- und Weltlage zusehends auf die Laune und das Wohlbefinden schlägt.

Die quälend teigige, frustrierende Situation einer Pandemie, in der wenige Faktenleugner:innen mit rücksichtslosem Verhalten, ausgerichtet an einer vollkommen falsch verstandenen Idee individueller Freiheit, die Gesellschaft und insbesondere ihre schwächsten Mitglieder in Geiselhaft nimmt, ist das Eine. Das Andere ist die Gewöhnung daran. Über das Erlebte legt sich ein Schleier aus Wut und Müdigkeit, Taubheit. Mein eigener Wille, Rücksicht auf Schwurbler zu nehmen, sinkt auf ein Minimalniveau.

Vielleicht macht es das schwer, auf einen Monat zurückzublicken und nicht zu verdrängen. Und ehrlich gesagt habe ich im Verhältnis zu vielen anderen wenig Auswirkungen der Pandemie abbekommen: Sicherer Job. Wenige Angehörige und Freunde, die Risikogruppen zuzurechnen wären. Keine Kinder, die ich neben meiner Arbeit zu Hause unterrichten und betreuen muss. Keine Verantwortung dafür, dass andere ihren Job als Lebensgrundlage behalten.

Nun aber los mit der Monatsnotiz.

Podcasting

Zwei Podcasting Workshops standen im November an. Einmal organisiert durch das Weiterbildungszentrum der FU Berlin und mit Teilnehmenden aus Büchereien und Bibliotheken und einmal organisiert von der HOOU@HAW. Eine Podcastaufzeichnung stand ebenso an und das Ergebnis wird dann im Januar zu hören sein.

Veranstaltungen

Dass University Future Festival fand Anfang November online und auf dem EUREF Campus in Berlin Schöneberg statt. Ich hätte gern mehr gesehen und mitgenommen, hätte aber sehr viel konsequenter darin sein müssen, mir die Zeit zu nehmen. Und wenn ich hier auch übergeneralisieren mag, schien es doch so, als würden alte Diskurse immer wieder aufgewärmt. Personalisierung von Lernen mit Technologie, KI, die Frage nach der Daseinsberechtigung der Hochschule und ob EdTech wirklich die Bildung rettet. Come on. Gefreut hat mich, dass es auch Fragen nach studentischen Partizipation, nach Barrierefreiheit und Rassismus in der Hochschule ins Programm geschafft haben.

Ebenso Anfang November fand die Veranstaltung “digital+souverän” in der Landesvertretung Schleswig-Holstein statt. Natürlich musste hier jedes Buzzword herhalten, aber immerhin hat sich jeder Redner zu Beginn seines Talks in einem begrifflichen Annäherungsversuch daran gemacht, sein Verständnis digitaler Souveränität zu bestimmen. Nicht immer konsistent, aber immerhin. Leider kein einziger Beitrag einer nicht-männlichen Person, abgesehen von der Moderation durch Geraldine de Bastion, auch das Publikum bestand zu mindestens 85 Prozent aus Männern.

Interessant war es dennoch, wenn auch nicht gleichermaßen durch die Bank. Die Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein mit dem Ziel, bis 2025 alle ca. 25.000 Verwaltungsarbeitsplätze mit Open Source Infrastruktur und Software auszustatten, hat mich als ungewöhnlich gut durchdacht wirkendes digitalpolitisches Projekt beeindruckt. Alle Vorträge hier bei Steffen Voß im Blog.

Domain of One’s Own

Katharina Schulz und ich wurden anlässlich des Abschlusses unseres HOOU Projekts befragt, nachzulesen hier. Für das anstehende OERcamp global haben wir eine weitere Abschluss-Session geplant, die kurz vor der Einreichung steht.

WZB

Die Arbeit an einem Wissensmanagement für das WZB hat sich in den letzten Wochen wieder intensiviert, denn im Dezember steht die Entscheidung an, ob wir mit unserem ersten Konzept so viel Anklang im Haus finden, dass wir es auch iterativ umsetzen dürfen. Daumen drücken also, Ende Dezember weiß ich hoffentlich mehr.

Zurückstecken musste dafür das Projekt, das sich mit Dokumentenmanagement befasst. Aber ein Re-Start steht an. Insgesamt war der November ein Monat, in dem vermeintlich kleine Fragen viel Zeit einnahmen. Und kaum eine davon ist tauglich, ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Vielleicht muss das erst eine Halbwertszeit abwarten.

 

Beitragsbild von Des Récits via unsplash.